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12. Juli 2021

Anti-LGBTQ-Gesetz in Ungarn // Spruch des Tages 12.07.21

Anti-LGBTQ-Gesetz am Ende des Pride Months

Letzte Woche, kurz nach Ende des Pride Months, trat in Ungarn das Anti-LGBTQ-Gesetz in Kraft, das die LGBTQIA+ Community stark einschränkt. LGBTQIA+ steht für Lesbische, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Queere, Intersex und Asexuelle- und romantische Personen. Jegliche Art von Darstellung von oder Aufklärung über die Community soll verboten werden. Darunter zählen unter anderem Aufklärungsprogramme an Schulen. Aber auch Filme mit schwulen oder lesbischen Charakteren oder Handlungen, Werbung, die gleichgeschlechtliche Paare zeigt und sogar Kinderbücher werden verboten sein. Ziel des Gesetzes ist es angeblich, Kinder vor dem “schlechten Lebensstil” zu schützen.

Mehr als nur ein Gesetz

Dieses Gesetz kann in Ungarn großen Schaden anrichten, vor allem bei jungen Menschen. Betroffene Kinder und Jugendliche fühlen sich falsch, ungeliebt und ungewollt wenn sie keine öffentliche Repräsentation ihrer Identität sehen. Die Depressions- und Selbstmordraten werden steigen. Die Kinder werden von klein auf lernen, dass es nicht okay ist, anders zu sein. Homo- und Transsexualität werden diffamiert und sogar kriminalisiert, obwohl sie normal und menschlich sind. Zudem werden auf diese Weise homo- oder transphobe Gewalttaten normalisiert und verstärkt.

Starker Gegenwind aus Europa

Viele europäische Länder haben sich öffentlich gegen das Anti-LGBTQ-Gesetz ausgesprochen. 17 Länder distanzieren sich ausdrücklich davon und fordern eine Abschaffung. Darunter ist auch Deutschland. Forderungen nach finanziellen Sanktionen oder sogar einem Ausschluss Ungarns aus der EU werden auch laut. Die EU selbst kann allerdings nicht direkt etwas tun, für ein Verbot des Gesetzes oder einen Entzug von Ungarns Stimmrecht müssten alle Mitgliedsstaaten dafür stimmen. Polen hat jedoch bereits angekündigt, dies nicht zu unterstützen.

Der Diskurs über das Anti-LGBTQ-Gesetz ist laut

Einen Vorteil hat das Gesetz allerdings: Überall berichtet und diskutiert man darüber, viele Stimmen sprechen sich gegen das Gesetz und für Menschrechte aus. In Deutschland kam deshalb die Idee auf, das Stadion bei dem Fußball EM-Spiel von Deutschland gegen Ungarn als Protestaktion in Regenbogenfarben aufleuchten zu lassen (Mehr dazu in unserem Artikel über die UEFA und die Regenbögen: https://indayi.de/das-problem-mit-regenboegen-und-der-uefa-spruch-des-tages-29-06-21/). Als die UEFA dies verbot, kam eine große Welle an Empörung über Europa. Auch in den folgenden Wochen gab es immer wieder Diskussionen über die LGBTQIA+ Rechte. Im Rahmen der EM diskutierte man beispielsweise noch über die Regenbogen-Kapitänsbinde von Manuel Neuer. Und darüber, dass verschiede Städte den Werbetreibenden und Sponsoren der EM untersagte, Regenbogenfarben in ihrer Bandenwerbung im Stadion zu nutzen. Aber auch außerhalb des Fußballs diskutieren Politiker, Menschenrechtler und Bürger über die menschrechtsverachtenden Gesetze in Ungarn.

Brauchen wir überhaupt noch mehr LGBTQIA+ Rechte? – Ja!!

Obwohl die Rechte für LGBTQIA+ Menschen in Deutschland und den meisten Teilen Europas langsam besser werden, haben wir noch einen langen Weg vor uns. Das lässt sich bereits hierzulande sehen. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen hier zwar heiraten, aber die Adoptionsrechte sind immer noch viel strenger als bei heterosexuellen Paaren. Trans*personen müssen unverschämt lange bürokratische Prozesse durchlaufen, um sie selbst sein zu können. Das Grundgesetz schützt auch Schwule, Lesben, Bisexuelle und Trans*personen noch nicht vor Diskriminierung.

Weltweit sieht es noch viel schlimmer aus. Homosexualität ist in 69 Ländern der Welt illegal und die Regierung tötet schwule Männer in vielen davon. Doch auch in Europa, wo es vermeintlich besser ist, gibt es noch große Probleme. Erst letzte Woche ging erneut eine Nachricht durch das Internet, dass in Spanien, wo die Ehe für alle seit 2005 gilt, ein Jugendlicher aufgrund seiner Homosexualität zu Tode geprügelt wurde. In den USA wurden dieses Jahr bereits 28 Trans*personen lediglich aufgrund ihrer Transsexualität brutal ermordet.

Sowohl auf der Gesetzesebene als auch im Privatraum muss also noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Aufklärungsarbeit, die jetzt in Ungarn verboten ist.

 

 

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Der Autor:

Dantse

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